Spanisch

WAYNA PICCHU
Muchachita
Fump-Records/Tap-Water Records LC: 01339   2015

Fump-Records/Tap-Water Records LC: 01339 2015
Wenn mir das einer vorher gesagt hätte... Da lag eine CD bei mir auf dem Redaktionstisch, und ich beachtete sie längere Zeit nicht. Das Cover und der Titel ließ mich eine der üblichen peruanischen Folkloregruppen vermuten, die ja nicht so ganz in unser Konzept passen.
Als ich sie mir dann aber anhörte, weil der Veröffentlichungstermin näher rückte fiel ich glatt vom Hocker. Natürlich ist der peruanische Stil unverkennbar, aber es klingt so frisch und so modern, dass meine Hardrockerglieder zu zucken anfangen. Eine gute Laune macht sich breit und Ohrwürmer befallen sofort mein Gehirn. Tinku De La Luz ist vielleicht noch am ehesten als gängig einzustufen, besticht aber durch E-Gitarrensolo und fast schon teutonische Refrains. Klasse.
Dann kommt der verspätete Sommerhit des Jahres: Machu Picchu. Mit „Hela Hela Hey" und schmissigen Rhythmen werden auch die schlaffesten Eckensitzer zu fröhlichen Latin-Lover Tänzern. Diese Mucke geht überall – ob am Strand – oder in der Cocktailbar – ja sogar bei den Feiern der Chefetagen. Im wahrsten Sinne des Wortes Massenkompatibel! Das lässt sogar Maccarena vergessen.
Danach geht es mit dem Titeltrack Muchachita locker weiter. Das könnte in jeder Kneipe in Südamerika laufen. Und Tanzschulen könnten es als Standardtanz mit ins Programm aufnehmen.
El Duende fängt dagegen fast schon wie ein südeuropäischer Tanz an. Aber alles schon mit der typischen Flöte im Hintergrund.
Oh Naturaleza ist so erfrischend wie ein Duschbad unter einem tropischen Wasserfall. Auch der Gesang und die Vögel lassen einen träumen, freilich ohne das Tanzen zu vergessen.
Piedra Del Sol atmet dagegen wieder den staubigen Geschmack von Südamerikanischen Steppen ein – aaber Voorsicht die Flöte ist immer dabei – und es passt!
Gitana ist auch ein Tanzbodenklopper – man die Jungs von Wayna Picchu können aber wirklich alles mit peruanischer Stilart verschmelzen. Rumba, Salsa, Merenque und Bachata. Irre!
Anoche hat alles, was das Feuer des südlichen Teils von Amerika ausmacht. Der natürliche Rhythmus gepaart mit exzellenter Instrumentierung – kombiniert mit einem Spanisch, dass selbst katalanische Chicas schwach werden müssen. Die Klavierperlen am Ende sind ebenfalls edel!
Baila Canta ist ein Titel für den fortgeschrittenen Tanzabend, wenn man eh schon schwebt. Da geht alles von selbst – und alles passt! Brasilien grüßt....
Mis Huellas bringt einen noch um die verbliebene Restluft. Da muss man einfach mit. Moderne Gitarren mit Akkordeon, Charango und der typischen Flöte – absolut abgefahren.
Solo Solo gibt einem etwas mehr Raum, da es eine Spur langsamer ist. Die Stimme ist hier auch geschmackvoll mit dem Vocoder bearbeitet.
Lorito Casanova verbreitet nun wieder etwas schwüles Latinofeeling mit Folkloretanzeinlagen. Macht aber Spaß....
Ja, und dann kommt zum Schluss der Knaller der Unmöglichkeit: „Ein Peru-Reggae" mit dem Titel Ven A Mi. Ich hätte nie geglaubt, dass das geht. Ein Meisterwerk, das genauso karibisches Feeling verbreitet, wie die Stücke Bob Marley.
Damit endet eine CD, die für mich bis jetzt die Scheibe des Jahres ist! Die Mucke macht bei jedem gute Laune. Und sie hat einen neuen Stil geboren. Wayna Picchu steht nun auch für „Peruanischer Crossover". Der akustische Gruß von Südamerika in die Tanztempel der ganzen Welt.
Und an Dich Horlando, der Du ja leider verstorben bist – aber diese Vision immer gelebt und angestrebt hast: „Jawohl es ist angekommen. Du hast es geschafft. Muchachita ist ein Meisterwerk!"
Kurt Mitzkatis

 

Quelle: www.germanrock.de

 

 

WITH LOVE - THE UNDERGROUND

 

WAYNA PICCHU

Muchachita CD

Fump Records/ Tap Water Records

 

Peruanische Folklore mit Panflöte ist jetzt eigentlich nicht so mein Ding, da südamerikanische/spanische Musik sich nicht mit meiner Temperamentlosigkeit in Einklang bringen lässt, aber das Sextett um die Brüder Horlando, Ruben und Santos bietet ein abwechslungsreiches Oevre und der Titelsong geht sogar in Richtung Samba. Horlando verstarb 2014 leider an Krebs und so ist das aktuelle Album ihm gewidmet. Die für die Anden typische Flöte spielt aber keine extrem dominante Rolle, denn auch die Percussions kommen zu ihrem Recht und sowas wie Rap und Toasting darf auch mal stattfinden. In "Oh naturaleza" experimentiert man kurz mit Autotune obendrauf hört man Vogelgezwitscher, also wer da nicht entspannt wird, braucht echt Urlaub. Kubanische Klänge in "Anoche" untermauern dann nochmal die Universalbegabung der Band, was spanischsprachige Genres betrifft. Handwerklich bemerkenswert, auch "Solo solo" welches den Gesang ins Zentrum stellt, ist absolut überzeugend und dürfte den größten Skeptiker zum Schweigen bringen. Ich denke seine Brüder und die anderen WAYNA PICHHU-Mitglieder haben Horlando hiermit würdig verewigt.ThEb (7) 

 

Quelle: http://www.wltu-music.de/augfifteen.htm

 

 

 

 

MUSIC NEWSLETTER

 

<Die Finger weg> war einer der Sprüche, der jedem entgegenschallte, wenn er sich die CD auf der Rezensierschlachtplatte – wie wir humorvoll den Tisch bezeichnen, auf dem eingegangene Promos herumliegen und auf ihren Einsatz warten – krallen wollte. <Die hört der Chef!> war der allgemeine Tenor. Ich fühle mich zuständig für die ungewöhnlichen Sachen, weil ich halt nun mal der Älteste im Boot bin und mich schon wirklich mit den obskursten Sachen auseinandergesetzt habe in meiner mittlerweile über 35jährigen Musikbesprechungskarriere. Mit der vorliegenden CD wird es allerdings nicht ganz so ungewöhnlich. <Das klingt aber schön fröhlich> meint die Cleaning Lady (Reinigungsfrau), als sie gerade durch den Raum saugt und keine Chance gegen die Musik hat, die mit dröhnendem Lärm (so soll es sein!) den Staubsauger übertönt.

 

WAYNA PICCHU sind eine 6köpfige multikulturelle Rock/Folklore/Pop/Worldmusic-Band, die von den beiden Brüdern Santos und Ruben Salinas gegründet worden ist. „Muchachita“ heisst die CD und bereits der erste auf einer autochthoner Charango gespielte Akkord entlockt mir ein überraschtes „Ouhh!“ - „El Condor Pasa“ (Simon & Garfunkel) lässt herzlichst grüssen, aber dann geht’s gleich weiter mit lebhaftem und rhythmisch gut passendem Flötengedudel, einem Walking Bass Lauf, der schön durch die Harmonien wandert und zur Mitte gesellt sich sogar ein elektrisches Gitarrensolo hinzu. Wenn ich etwas hasse, dann ist es dieser artifizielle Fußgängerzonen-Inko-Musik-Mix, der oft von verkleideten Indianern dargeboten wird, um vorüber hastenden Stadtmenschen etwas vom authentischen Flair einer vergangenen oder fernen Kultur zu vermitteln und diesen Eindruck habe ich hier von Anfang an nicht!

 

Beim zweiten Stück wird’s sogar noch besser. Rockige Klänge mit einem dezenten Offbeat unterlegt, ohrwurmträchtige „Heya-Heya-Hey“-Gesänge schieben das Tempo voran, ein guter Sänger, der mich leicht – was Ausdruck und Intensität betrifft – an die grossartige Sängerin Lila Downs erinnert – muss wohl auch an der Sprache liegen. „Machu Picchu“ heißt der tolle Song – eine liebevolle Hommage an die 1914 im peruanischen Dschungel entdeckte legendäre Inkafestung. Zeitgenössische Pop Musik VS traditionelle Folklore aus Südamerika – selten habe ich es so gut passend gehört wie in diesem Song.

 

Der Titelsong „Muchachita“ ist Party-Latin-Salsa pur – wer sich für die Musik von „Oscar Leon“ oder „Tito Puento“ interessiert, dem gefällt das Stück auf jeden Fall. Hier gibt es als besondere Essenz ein tolles Panflötensolo, das absolut nicht kitschig klingt. Stark auch die von HANNES SCHWEIGER gespielten Timbales! Romantisches Rumba-Flair gibt es in „El Duende“, das im Vorübergehen – sicherlich den Geigen geschuldet - auch etwas die Stilrichtung Celtic Folk streift. In „OH Naturaleza“ treffen sich traditionelle Melodien und Rhythmen mit Vögelgewzitscher und aufkommenden Donnerwolken. Mit „Piedra Del Sol“ folgt das nächste Highlight auf dem Fusse, das Stück erinnert mich etwas an den typischen Tanz vor Ort, den „Danza de las tijeras“, bei dem während Feierlichkeiten die Tänzer durch den Ort laufen und dabei von einem gemischten Orchester begleitet werden.

 

Der Rest besteht aus einem abwechslungsreichen Mix: Mit „Gitana“ wird die „Gypsy-Pop-Kings“ Schublade aufgezogen – Salsa (den hat die Band wirklich gut drauf) gibt’s noch mal in „Anoche“, das gutgelaunte „Baila Canta“ wird seinem Titel gerecht (Tanzen, Singen), „Solo Solo“ schielt leicht in Richtung „Lambada“ und karibischem „Zouk“, ein Gitarrensolo unterstreicht die zeitgenössische Ausrichtung. Und was fehlt? Die Musikrichtung, die dort nicht unbedingt ihren Ursprung hat, aber die vor allem in südamerikanischen Ländern überaus beliebt ist! Der Reggae „Ven A Mi“ unterstreicht ein letztes Mal die virtuose Darbietung der exzellenten Musiker!

 

FAZIT: Supertolles Worldmusic-Pop-Rock-Album, das allen Ansprüchen gerecht wird: Liebhaber moderner Pop Musik, die ab und zu mal einen Blick über den Tellerrand wagen, werden großen Spass haben an „Muchachita“. Ich kann mir lebhaft vorstellen, welche Party abgeht, wenn diese Band ihren Zuschauern im Konzert einheizt. Über Konzerttermine halten wir Euch natürlich auf dem Laufenden!

 

 

Quelle: http://www.music-newsletter.de/html/neue_worldmusic_cds.html#WaynaPicchuMuchachita

 

 

 

 

 

NOISY NEIGHBOURS

 

Man muss schon zweimal hinhören und vor allem hinlesen, um das, was WAYNA PICCHU auf MUCHACHITA (Fump-/Tap-Water Records/Believe Digital) tatsächlich als Thema für unser Heft wahrzunehmen; aber „Indie“ ist eben nicht nur Noise, Metal, Pop und Singer/Songwriter, sondern eben auch im weitesten Sinne Folk. Während man sich beim ersten Höreindruck unwillkürlich an diverse Ponchoträger, die in der Fußgängerzone zur Hintergrundmusik vom Ghettoblaster „El Condor Pasa“ panflöten, erinnert fühlt, merkt man bei intensiverer Auseinandersetzung mit der Musik der in der Nähe von München beheimateten peruanisch-deutschen Kooperation dann doch, dass es hier um mehr geht. Dem weltoffenen Musikhörer wird hier nicht zum x-ten mal Andenklang als politisch-korrektes Hörerlebnis dargeboten, dem man sich nicht entziehen darf. „Wayna Picchu“ haben mehr zu bieten, und ihr insgesamt – der Untertitel „Volume XI“ weißt darauf hin – elftes Album ist hervorragend produziert, die Musik von allesamt Musikern eingespielt, die ihr Handwerk verstehen; die einzelnen Songs sind sauber komponiert und umgesetzt. Dass es manchmal etwas viele Schnörkel hat, beinahe ein wenig überproduziert wirkt, ist wohl der der südamerikanischen Musik innewohnenden verspielten Leichtigkeit zuzuschreiben und geht ok. Wer mal ein bisschen tiefer in das, was südamerikanische und im besonderen peruanische Volksmusik ausmacht, Einblick nehmen will, der sollte bei „Wayna Picchu“ nicht zögern.

 

Quelle: Noisy Neighbours