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Wayna Picchu Biographie

Wie alles begann
Das musikalische Talent wurde den Brüdern wohl in die Wiege gelegt, sowohl Großvater als auch Großmutter mütterlicherseits waren sehr musikalisch. Geboren wurden Horlando und Santos beide in San Antonio, ein Dorf in den Anden in Peru. Der Rhythmus des Lebens wurde von der Natur bestimmt, die Menschen waren arm, das, was sie zu essen hatten, wurde selbst angebaut, es gab weder Strom noch fließend Wasser. Abends wenn es dunkel wurde sangen die Kinder mit ihrer Großmutter vor dem Einschlafen. Es wurde eine Art Wettbewerb zwischen Santos, dem älteren der beiden Brüder und seiner Cousine. Beim Hüten der Schafe lehrte der Großvater den Brüdern das Spielen auf der Quena und der Zampoñas (Vorläufer der Panflöte).

Simbal und die Nonnen
Die Brüder waren etwa fünf und sieben Jahre alt, als die Familie aus den Anden nach Simbal (ein Dorf in der Nähe der Küste) zogen, der Vater fand dort Arbeit in den Minen. Hier wurde das jüngste Mitglied von Wayna Picchu geboren: Ruben. In Simbal gab es eine Kirche, in der auch Nonnen aus England beheimatet waren. Santos war der erste, der im Kirchenchor mitsingen durfte, Horlando folgte. Hier wurde die Musikalität der beiden Brüder erkannt und gefördert. Unvergessen Nonne Brenda, die sich sehr für die Brüder einsetzte. Ihr sind mehrere CDs gewidmet, und es sind sich alle einig: Nach ihrem Tod ist sie auch heute noch als Schutzengel für die Brüder da.

Die erste Band
Als Santos 12 Jahre alt war, gründete er seine eigene Band; er wollte an einem Wettbewerb teilnehmen, aber es fehlte ein Gitarrist. Er beschloß, dass dies sein Bruder Ruben sein sollte. In kürzester Zeit lernte Ruben von seinem Bruder, man sagt, bis die Finger blutig waren, Gitarre spielen und somit war die Band komplett. Mit der Band „Los Pablitos“ konnte er dann auch einige regionale Erfolge verzeichnen.

Die erste CD
Die Musik der Brüder war in den Anfängen sehr stark von der klassischen Andenfolklore geprägt. Gerade Horlando spielte später in England am liebsten in traditionellen Inka-Kostümen und viele seiner eigenen Kompositionen sind stark Folklore-geprägt. In Peru konnten sie sich als Musiker zumindest immer ein bisschen Geld dazu verdienen; nur zu gerne wurden sie eingeladen Musik zu machen, und wenn es nur für ein warmes Essen war. Da in dem 20 km entfernten Badeort Trujillio auch erste Touristen kamen, konnten die Brüder erstmals den Duft der großen weiten Welt erahnen. Santos fand nach der Schule Arbeit als Musiklehrer in Lima bei CIMA, eine Organisation, die Straßenkinder aufnimmt und ihnen Musikunterricht gibt. Die Organisation gibt es bis heute. Santos hat dieser Organisation ein eigenes Lied gewidmet, das heute noch deren Hymne ist. Später konnte Ruben seinen Platz als Musiklehrer dort einnehmen.

Es geht nach Europa
In den 90iger Jahren war es einfacher, als Peruaner nach Europa zu kommen, als heutzutage. Man sparte das Geld für ein Ticket zusammen, benötigte einen gültigen Pass und konnte dann drei Monate als Tourist nach Europa reisen. Der erste, der diesen Schritt wagte, war Horlando. Er kam zunächst nach Deutschland und konnte sich als Straßenmusiker über Wasser halten.

Man bleibt in Europa der Liebe wegen
Horlando war jung und hatte Lust am Leben; deswegen war es nicht verwunderlich, dass er sich recht bald verliebte, in eine Engländerin. Diese Liebe blieb nicht ohne Folgen: Horlando wollte Nägel mit Köpfen machen. Reiste nach Dänemark, wo eine Hochzeit unbürokratisch möglich war. Diese erste Liebe von Horlando ist auch der Grund, warum er sich später in England niederließ. In dieser Zeit war Santos auch schon nach Europa gereist, sein Bruder Horlando hatte ihm vermittelt: „ Du kannst hier mit deiner Musik viel Geld verdienen!“. Santos wollte ursprünglich nach Italien, hier war die Sprache vertrauter und das Wetter besser. Doch als er in München ausstieg und noch Zeit hatte für den nächsten Zug nach Mailand, spazierte er die Fußgängerzone auf und ab und war sofort angezogen von der schönen Stadt. Er beschloss hier zu bleiben, nichtwissend, dass genau dieser Ort ein wichtiger Teil in seinem Musikerleben werden sollte. Auch er lebte anfangs von der Hand in den Mund, schlief in Bahnhöfen oder in S-Bahn-Schächten. Er wollte möglichst viel Geld verdienen und dann wieder nach Hause kommen, doch es kam wie so oft anders. Santos war ebenso jung und dank seines südamerikanischen Charmes flogen ihm die Frauenherzen regelrecht zu. Nur ernsthaft verliebt war er nicht, zumindest bis zu jenem Abend, an dem sie in einer Kneipe auftraten und am nächsten Tag eigentlich schon sein Rückflug anstand, Das Visum war abgelaufen, doch da traf in Amors Pfeil mitten ins Herz und er wäre kein Latino, wären ihm nicht Visum und Rückflug egal gewesen. Doch es war sehr kompliziert, denn seine erste große Liebe war noch verheiratet. Es folgten abenteuerliche Monate mit Ausweisungen und schwer erkämpften Einreisegenehmigungen. Zum Schluss sah es nicht gut aus: Nach dreimaliger polizeilicher Ausweisung hätte Santos nie wieder einen Fuß auf europäischen Boden setzen dürfen, aber das Leben hatte ein Einsehen: Seine Liebe war schwanger geworden und er hat es nur seinem inzwischen volljährigem Sohn zu verdanken, dass er sich doch noch in Deutschland niederlassen konnte.

Nun war der Weg war frei für die Band Wayna Picchu
Horlando und Santos, beide nun dank Frauen und Kindern mit offiziellen Visa und Arbeitsgenehmigungen ausgestattet, gründeten 1994 die Band Wayna Picchu, zwei Jahre später holten sie Ruben nach Deutschland und das Trio war komplett. Auch Ruben fand hier seine Liebe und konnte in Deutschland bleiben. Es folgten ihre ersten CD-Aufnahmen, deren Musik noch sehr stark von ihrer heimatlichen Folklore geprägt war – dies änderte sich im Laufe der Zeit, als auch Latino-Pop Einfluß im musikalischen Hause „Wayna Picchu“ Einzug erhielt. Man coverte diverse Klassiker, wie zum Beispiel „El Condor Pasa“ in einer einzigartiger Version in Quechua, mit dem man auf YouTube mittlerweile über eine Million Klicks erreichen konnte.

Die aktuelle CD und das Schicksalsjahr 2014
In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends wurde es stiller auf den Straßen. Die meisten Straßenmusiker der 90iger Jahre gab es nicht mehr, doch die einzige Band, die in München überlebt hat, ist Wayna Picchu. Dafür hat sie mittlerweile Kultstatus: In mehreren Reiseführern von München erwähnt, hat sie auch 2x den Münchner Stadtpfeiferpreis gewonnen. 2013 reifte schließlich die Idee einer neuen CD - hier wollten sie ihre jahrelange Erfahrung und ihr Leben, das ja nun bei allen fast zur Hälfte in Europa stattgefunden hat, und ihre Entwicklung in der Musik einbringen. Neu auch, dass dieses Mal ausschließlich Eigenkompositionen aufgenommen werden sollten. Im
Herbst 2013 war es dann soweit: Horlando reiste nach Deutschland und die ersten Studioaufnahmen konnten beginnen. In dieser Zeit merkten die beiden „deutschen“ Brüder bereits, dass Horlando nicht ganz gesund war, aber man dachte sich anfangs nicht viel dabei. Die Aufnahmen wurden zu Ende gebracht und jeder gab sein Bestes. Kurz vor Weihnachten kam allerdings die schreckliche Nachricht aus England: Horlando hatte Krebs! Der Beginn des Jahres 2014 war nun geprägt von Horlandos Krankheit, aber eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft kam aus den Reihen der peruanisch-stämmigen, in England ansässigen Musikergemeinde. Es wurde die Organisation „United for Horlando“ gegründet und viele Veranstaltungen zu seinen Gunsten organisiert. So konnten trotz der ausländerfeindlichen englischen Visapolitik seine Eltern zu ihm kommen und auch alle inzwischen in Deutschland ansässigen Brüder. Dennoch verlor Horlando den Kampf gegen den Krebs und verstarb im April 2014 im Kreise seiner Familie. Den Brüdern Santos und Ruben lag nun noch mehr denn je daran, die neue CD, die natürlich ihrem Bruder Horlando gewidmet ist, besonders perfekt fertigzustellen. Es folgten noch viele Nächte im Studio, bis sie das Ergebnis endlich zufriedenstellte. Was dabei herauskam, kann sich mehr als hören lassen: Wunderschöne Musik, die vom Leben und der Liebe erzählt, die freudig stimmt, gute Laune macht, zum Tanzen animiert und im Ohr hängen bleibt. Sie enthält nicht nur das Erbe eines unglaublich begabten Musikers, sondern auch die Geschichte von drei Brüdern mit inzwischen einiger Lebenserfahrung, die immer an sich geglaubt haben und gegen alle Unwegsamkeiten im Leben ihren Weg gegangen sind und noch weiter gehen werden. „La Vida es un sonrisa con amor. Das Leben ist ein Lächeln gepaart mit Liebe.“ Das Leben genießen, egal was kommt, dieses Lebensmotto der Brüder spiegelt sich in der Musik wieder.


Die CD „Muchachita“ ist im Sommer 2015 erschienen.

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Machu Picchu

Machu Picchu und Wayna Picchu

Paplitos

Los Pablitos

Titicacsee

Titicacsee

Ruinen

Ruinen der ChanChan in Nordperu

Kanalisation der Inka-Kultur

Wayna Picchu

Wayna Picchu